Teilungserklärung mehrfamilienhaus: inhalte, kosten und häufige fehler

Planen Sie den Kauf oder Verkauf einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus? Die Teilungserklärung ist dabei ein entscheidendes Dokument, das Sie unbedingt verstehen sollten. Erfahren Sie hier, welche rechtlichen Aspekte wichtig sind und worauf Sie besonders achten müssen.

Was ist eine Teilungserklärung für ein Mehrfamilienhaus?

Eine Teilungserklärung ist das rechtliche Fundament für die Aufteilung einer Immobilie in separate Eigentumseinheiten. Sie ermöglicht die Entstehung einer Wohnungseigentümergemeinschaft und definiert präzise die Grenzen zwischen Sonder- und Gemeinschaftseigentum. Dieses notarielle Dokument wird dem Grundbuchamt vorgelegt und ist unverzichtbar für die Begründung von Wohnungseigentum.

Durch die Teilungserklärung wird ein Mehrfamilienhaus von einem einheitlichen Eigentumsgebäude in eigenständige Einheiten umgewandelt. Dies schafft die Basis für den individuellen Verkauf, die Belastung oder Vererbung einzelner Wohnungen.

Definition und Zweck der Teilungserklärung

Die Teilungserklärung ist ein notariell beurkundetes Dokument, das folgende zentrale Funktionen erfüllt:

  • Aufteilung des Grundstücks in rechtlich selbständige Wohnungseinheiten
  • Festlegung der Miteigentumsanteile am Gemeinschaftseigentum
  • Bestimmung der Stimmgewichtung bei Eigentümerversammlungen
  • Regelung der Verteilung von Betriebskosten
  • Schaffung der rechtlichen Basis für das Zusammenleben in der Eigentümergemeinschaft

Rechtliche Grundlagen und Bedeutung

Die rechtliche Basis bildet das Wohnungseigentumsgesetz (WEG), das die Rahmenbedingungen für Eigentumswohnungen in Deutschland festlegt. Nach § 8 WEG ist die Teilungserklärung zwingend notariell zu beurkunden und muss im Grundbuch eingetragen werden.

Die Bedeutung der Teilungserklärung ist weitreichend, da sie:

  • langfristig bindend ist und schwer zu ändern
  • die Eigentumsrechte bestimmt
  • die Verwaltung der Immobilie regelt
  • das Zusammenleben der Eigentümer strukturiert
  • die Instandhaltungspflichten festlegt

Inhalte einer Teilungserklärung

Die Teilungserklärung umfasst mehrere wesentliche Komponenten, die das Fundament für ein funktionierendes Zusammenleben in der Eigentümergemeinschaft bilden. Sie schafft durch präzise Definitionen und klare Abgrenzungen Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

Sondereigentum und Gemeinschaftseigentum

Sondereigentum Gemeinschaftseigentum
– Individuelle Wohnräume
– Deckenverkleidungen
– Wandverkleidungen
– Fußbodenbeläge
– Innentüren
– Sanitäre Installationen
– Tragende Wände
– Decken und Dächer
– Fassaden
– Treppenhaus
– Aufzüge
– Zentrale Versorgungsanlagen

Gemeinschaftsordnung und Sondernutzungsrechte

Die Gemeinschaftsordnung regelt das Zusammenleben der Eigentümer und definiert wichtige Aspekte wie:


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  • Nutzung gemeinschaftlicher Anlagen
  • Durchführung von Eigentümerversammlungen
  • Verwalterbestellung
  • Instandhaltungsregelungen
  • Hausordnung für das tägliche Miteinander

Wichtige Dokumente: Aufteilungsplan und Abgeschlossenheitsbescheinigung

Eine vollständige Teilungserklärung erfordert drei wesentliche Dokumente:

  • Aufteilungserklärung mit Aufteilungsplan
  • Abgeschlossenheitsbescheinigung
  • Gemeinschaftsordnung

Der Aufteilungsplan ist eine maßstabsgetreue zeichnerische Darstellung des Gebäudes, die sämtliche Wohnungen und Räume mit exakten Grenzen aufzeigt. Die Erstellung muss durch einen Architekten oder Vermessungsingenieur erfolgen und vom Bauamt genehmigt werden.

Die Abgeschlossenheitsbescheinigung wird von der zuständigen Baubehörde ausgestellt und bestätigt zwei wesentliche Aspekte:

  • Die bauliche Trennung der im Aufteilungsplan dargestellten Wohnungen
  • Das Vorhandensein eigener abschließbarer Zugänge für jede Einheit

Diese Bescheinigung ist unverzichtbar für die Eintragung des Wohnungseigentums im Grundbuch. Die genannten Dokumente bilden gemeinsam die rechtliche Basis für separate Eigentumseinheiten innerhalb eines Mehrfamilienhauses. Bei baulichen Veränderungen an der Gebäudestruktur ist eine entsprechende Aktualisierung dieser Dokumente erforderlich.

Kosten der Teilungserklärung

Die Gesamtkosten einer Teilungserklärung setzen sich aus drei Hauptkomponenten zusammen:

  • Notarielle Beglaubigung oder Beurkundung
  • Ausstellung der Abgeschlossenheitsbescheinigung
  • Eintragung ins Grundbuch

Die Höhe der Kosten korreliert direkt mit dem Verkehrswert der Immobilie. Bei einem Objekt im Wert von 500.000 Euro fallen bereits für die notarielle Beurkundung Gebühren im mittleren dreistelligen Bereich an. Zusätzlich entstehen Kosten für die Grundbucheintragung und die behördliche Abgeschlossenheitsbescheinigung. Eine frühzeitige Budgetplanung und das Einholen verschiedener Angebote sind daher ratsam.

Notarielle Beglaubigung und Beurkundung

Leistung Kostenbeispiel
Einfache Beglaubigung 70-140 Euro
Vollständige Beurkundung (bei 800.000 Euro Verkehrswert) ca. 785 Euro

Die Notarkosten stellen meist den größten Einzelposten dar und werden nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) berechnet. Grundlage ist der halbe Verkehrswert der Immobilie. Eine vollständige notarielle Beurkundung ist für eine rechtskräftige Teilungserklärung zwingend erforderlich – eine einfache Beglaubigung reicht nicht aus.

Weitere anfallende Kosten

  • Grundbucheintragung – 50-75% der Notarkosten
  • Abgeschlossenheitsbescheinigung – 200-500 Euro (abhängig von der Anzahl der Wohneinheiten)
  • Architektenpläne – 500-1.500 Euro (bei Bedarf)
  • Mögliche Folgekosten für spätere Änderungen

Bei älteren Gebäuden oder komplexen Grundrissen können zusätzliche Kosten entstehen. Eine frühzeitige Beratung durch einen Fachanwalt für Immobilienrecht hilft bei der realistischen Kostenkalkulation.


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Unklare Regelungen in der Gemeinschaftsordnung

Die Gemeinschaftsordnung enthält häufig unpräzise oder widersprüchliche Regelungen, die Konflikte in der Eigentümergemeinschaft begünstigen. Besonders problematisch sind unklare Bestimmungen zur Kostenverteilung bei Instandhaltungsmaßnahmen oder Betriebskosten.

  • Fehlende Kostenverteilungsschlüssel für gemeinschaftliche Anlagen
  • Zu starre oder zu schwammige Nutzungsregelungen
  • Unklare Grenzen bei Sondernutzungsflächen
  • Ungenaue Verantwortlichkeiten für Pflege und Instandhaltung
  • Widersprüchliche Bestimmungen zum täglichen Zusammenleben

Fehlende oder fehlerhafte Dokumente

Ein gravierender Fehler bei der Erstellung einer Teilungserklärung ist die mangelhafte Ausführung erforderlicher Dokumente. Besonders kritisch sind:

  • Nicht aktualisierte oder fehlerhafte Aufteilungspläne
  • Fehlende oder ungültige Abgeschlossenheitsbescheinigungen
  • Diskrepanzen zwischen Grundbuch und Teilungserklärung
  • Unvollständige Dokumentation von Sondernutzungsrechten
  • Nicht berücksichtigte bauliche Änderungen

Tipps zur Erstellung und Prüfung der Teilungserklärung

Eine sorgfältig erstellte Teilungserklärung ist das Fundament für ein harmonisches Zusammenleben in der Eigentümergemeinschaft. Die Komplexität dieses Dokuments erfordert besondere Aufmerksamkeit bei der Erstellung und Prüfung vor dem Wohnungskauf. Dabei ist die präzise Abgrenzung zwischen Sonder- und Gemeinschaftseigentum sowie die eindeutige Regelung von Kostentragung und Nutzungsrechten entscheidend.

Professionelle Beratung in Anspruch nehmen

Experte Aufgabenbereich
Fachanwalt für Immobilienrecht Rechtliche Prüfung, Identifikation von Fallstricken
Architekt/Bauingenieur Bauliche Gegebenheiten, technische Aspekte

Wichtige Punkte zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten

  • Korrekte Zuordnung von Sonder- und Gemeinschaftseigentum
  • Faire und nachvollziehbare Kostenverteilungsschlüssel
  • Eindeutige Regelungen für Sondernutzungsrechte
  • Praktikable Stimmrechtsverteilung
  • Übereinstimmung der Dokumente mit der baulichen Situation
  • Klare Definition von Pflege- und Instandhaltungspflichten
Gunther
Gunther

Mein Name ist Gunther Weber, und ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Immobilien, Baufinanzierung und rechtlichen Aspekten rund um Eigentum. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich aufzubereiten und Lesern dabei zu helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen – sei es beim Kauf, Verkauf oder der Verwaltung einer Immobilie.